Ein ungeschickter Brief

dadvelopment | 19.11.2012 | Lesedauer: 3 Minuten

Schon lange denke ich darüber nach einen Brief an meine Tochter zu schreiben. Sie ist grade erst zwei Jahre alt geworden und muss ohne ihren Vater aufwachsen.

Ich würde ihr gern schreiben, warum. Möchte schreiben, dass ihre Mutter (R.) und ich uns trennten, als sie noch nicht geboren war. Dass die Trennung scheiße war, dass R. mir das Konto leer räumte und das Auto mitnahm. Ohne jegliche Erklärung. Glücklicherweise hatte ich Kontakt zu ihren Eltern und wusste dadurch, dass sie zu ihnen fährt.

Ich möchte ihr beschreiben, wie dreckig es mir in der Zeit ging, als sie noch nicht geboren war. In der Zeit, als ich einsam in einem kleine Kaff in Niedersachsen lebte - fern ab von meinen Freunden. Dass ich beim Punk Unteschlupf finden konnte, dass meine Gemeinde mich getragen hat.

Ich möchte ihr schreiben, wie warm mir ums Herz wurde, als ich das Bild von ihr bekam, nachdem sie geboren war. Ich hab sie sofort ins Herz geschlossen, obwohl ich da schon wusste, dass ich sie nicht oft sehen werde. Sie lebt ja schließlich im Harz und ich in Bremen.

Ich möchte ihr schreiben, wie mich der Kontakt zu R. dieses Jahr fast in den Ruin brachte. Jeder Besuch geriet zur Tortur. Wir verabredeten Termine, keiner fand so statt, wie vereinbart. An Infos ran zu kommen, schier unmöglich. Es machte mich kaputt, mich mit R. auch nur in Gedanken auseinander zu setzen.

Es gab Zeit, da hatte ich Angst wenn das Handy vibrierte, weil es ja eine SMS von R. sein könnte. Und wenn dann tatsächlich mal eine SMS von ihr ankam, fiel ich in tiefe Schwärze.

Ich möchte ihr schreiben, dass ich um sie kämpfen wollte. Dass ich sie liebe. Möchte ihr schreiben, wie sehr es mich traf, als ich erfuhr, dass R. meiner Anerkennung der Vaterschaft nicht zustimmte. Dass R. mir damit den letzten kleinen Schimmer Hoffnung nahm. Nun hatte ich nicht einmal mehr das Recht auf meiner Seite. Ich war nichts. Der Kleinen gegenüber genauso viele Rechte, wie der Kassierer aus dem Sparmarkt.

Ich unternahm erstmal nix. Hoffte aus zwischenmenschliche Änderungen und dass sie meiner Vaterschaftsanerkennung doch noch zustimmen würde. Wie viel an so einer Unteschrift doch hängen kann.

Ich möchte ihr von dem Knall dieses Jahr schreiben. Davon dass R. überhaupt nicht vor hatte, meiner Vaterschaft zuzustimmen. Und mir damit die Möglichkeiten nahm. Möchte ihr schreiben, wie mich die Vorwürfe trafen, ich würde mich für sie nicht interessieren. Möchte ihr erklären, wie jeder Kontakt zu R. mich lähmte, mich fertig machte. Mich - ich schrieb es schon - an den Rand des Zusammenbruchs brachte.

Ich möchte ihr schreiben, wie schwer es mir fiel, die Anerkennung zu widerrufen. Ich hasste mich dafür. Es schien mir aber der einzige Ausweg. Für einen weiteren Kampf um sie hatte ich einfach keine Energie mehr. Einen weiteren Zusammenbruch dieses Jahr hätte ich nicht verkraftet. Es gab schon zwei - einen im November und einen Ende Februar. Die Kraft von einem dritten wieder auf zu stehen, hatte ich nicht. Ich wäre liegen geblieben. Von der Kraft für einen Kampf um sie ganz zu schweigen.

Ich ließ die beiden ziehen. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Es war reiner Selbstschutz, diesen Schritt zu gehen. Es war die schrecklichste Entscheidung meines Lebens. Ein schwarzer Fleck auf meiner Seele.

Das alles möchte ich schreiben. Alleine mir fehlen die Worte, um es in Briefform zu packen. :'-(