Garantie

dadvelopment | 06.03.2007 | Lesedauer: 3 Minuten

Wenn ich mich nicht total täusche ist es in Deutschland doch so, dass auf Elektrogeräte und so eine Garantie von 2 Jahren gewährt wird. Würde das auch auf mein Christsein zutreffen, so wäre mit dem heutigen Tag die Garantie abgelaufen:

Wir schreiben das Jahr 2005. Es ist der erste Sonntag im März. Der 6. März, 8 Uhr morgens um genau zu sein. Über Nacht hat es geschneit. Als ich aufstehe liegen 15cm Schnee. Es ist ein Morgen, auf den ich mich die ganze Woche über gefreut habe. Ich bin nämlich zu einem Gottesdienst eingeladen. In knapp einer 3/4 Stunde werde ich von Anke, einer Klassenkameradin, abgeholt und wir fahren gemeinsam zum St. Benno Gymnasium nach Dresden, wo die Jesusgemeinde ihren Gottesdienst feiert.

Anke war es, die mich zu diesem Gottesdienst eingeladen hatte. Ich wollte mir dieses "Schauspiel" mal ansehen. Als ich meinen Eltern von meinem Vorhaben berichtete bekam ich zu allererst den Satz "Pass bloß auf, dass du da in keine Sekte gerätst!" zu hören. Die Warnung hab ich zur Kenntnis genommen, allerdings nicht allzu sehr beachetet, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass es Anke in eine Sekte verschlägt.

Anke und ich fahren also gen Dresden - durch unsere verschneite Käfferlandschaft. Der Winterdienst hat inzwischen geräumt.

Auf der Fahrt nach Dresden werde ich von meiner Klassenkameradin noch ein bisschen vorbereitet, sodass ich nicht gleich ganz verstört den Gottesdienstraum verlasse. Einige der Anwesenden würden während des Singens die Hände heben usw.

Bei diesem Besuch wurden einige meiner Vorurteile aufgehoben. Der Gottesdienst der Jesusgemeinde fand und findet nicht in einer Kirche statt, sondern einer Turnhalle. Statt Orgelmusik gibt es zeitgemäße Musik mit E-Gitarre, Schlagzeug und so weiter. Die Leute hier scheinen Spaß daran zu haben, in den Gottesdienst zu gehen. Aus meiner Konfirmandenzeit weiß ich noch, dass es immer voll frustig war Sonntags in die Kirche zu gehen, nur um seine Punkte abzuholen. Hier schien das anders zu sein.

In der Lobpreiszeit ist es der Text eines Liedes, der mich sehr berührt. Es ist eines der Standartlieder in freikirchlichen Kreisen - "Blessed Be Your Name" von Matt Redman, für den Großteil der Besucher freundlicherweise ins Deutsche übersetzt. Folgende Passage hat mich zum Nachdenken gebracht:

You give and take away

You give and take away

(But) My heart will choose to say

Lord, Blessed be Your name

Du gibst und nimmst mein Gott

Du gibst und nimmst mein Gott

Doch mein Herz schreit zu dir:

Gepriesen sei dein Nam'

Diese Stelle wird - wie der Rest des Liedes - von der gesamten Gemeinde laut mitgesungen. Daraufhin muss ich mich ersteinmal setzen und nachdenken. Ich weiß, dass es bei mir in der Geschichte meiner Familie so die eine oder andere Begebenheit gab, wo Leute diese Verse nicht ehrlich hätten singen können. Also führe ich in etwa das folgende gedankliche Selbstgespräch: "Wenn diese Leute dieses Lied aus voller Kehle und ehrlich singen können, dann muss an diesem Glauben was dran sein. Und dann willst du genauso glauben wie diese Leute!" Für mich stand zu diesem Zeitpunkt fest, dass ich zumindest am darauf folgenden Sonntag wieder in diesen Gottesdienst gehen würde.

Nachdem Anke mich wieder zu hause abgesetzt hat, ziehe ich mich in mein Zimmer zurück. Von irgendwo her suche ich mir eine Bibel, um darin mehr über Gott und Jesus zu erfahren. Eine Taktik habe ich dabei nicht. Ich lese hier mal etwas aus einem Evangelium, dann da was aus den Psalmen. Wie lange das so geht, weiß ich nicht. Ich weiß nur eines. Als ich die Bibel dann zuklappe und beiseite lege, bekomme ich auf einmal das Gefühl, dass ich beten soll. In diesem Gebet übergebe ich Jesus mein Leben.

[youtube XCVwRK5nsUo]