Das Kind im Zug (Teil 2)

dadvelopment | 17.10.2006 | Lesedauer: 3 Minuten

Es war nun also Abend und ich war in einem Hotel in Hamburg und nicht, wie geplant, im Zug nach Dresden. Noch im Zug nach Hamburg bekam ich das Gefühl, dass diese Situation von Gott gewollt bzw. genutzt wird. Aber, dass das auch wirklich so war, wird mir erst jetzt klar.

Am nächtsten Tag hieß es dann um 6 Uhr aufzustehen, damit ich meinen Zug um 7:15 Uhr noch erreiche. Frühstücken und Duschen sollte ja auch mit drin sein. Den Zug habe ich dann auch bekommen. Nach einiger Zeit, ich weiß nicht mehr wie lange genau ich schon gefahren war, stiegen diese 3 Leute ein. Mann, Frau und Kleinkind (ca. 5 oder 6 Jahre). Die haben sich dann ca. 7 Reihen vor mir hingesetzt. Zuerst habe ich von denen nicht so viel Notiz. Nach einer Weile fiel das "nicht viel Notiz nehmen" dem Kleinkind gegenüber doch sehr schwer. Der Dezibel-Pegel, der von dem Kind ausging, war einfach sehr hoch. Ums mal in Deutsch zu formulieren: Das Kind hat genervt. Es war laut, hat irgendwelchen Scheiß gebrabbelt. Einige Zeit habe ich versucht das Kind einfach zu ignorieren, aber das hat nicht funktioniert. "Toll, deine Schwester ist ja genauso und da fährst du jetzt freiwillig hin.", schoss es mit immer wieder durch den Kopf. Ich konnte richtig fühlen, wie sich in mir eine Antipathie dem Kind gegenüber aufgebaut hat. Dass das nicht gut war, wusste ich selber. Ich hab dann dem Kind einfach vergeben, dass es mit auf die Nerven geht - aber die Geräusche hat es immer noch von sich gegeben. Nur hatte sich bei mir was geändert. Die machten mir nix mehr aus - und diesmal wirklich. Ich habe das nicht einfach verdrängt oder so. Diese ganzen negativen Gefühle waren einfach weg.

Es war dann in Riesa, oder so. Ich hatte noch ca. 80 Minuten Fahrtzeit oder so vor mir und rechts von mir noch einen leeren Platz. Da kommen auf einmal 2 Personen aus dem angrenzenden Waggon durch "meinen" Gelaufen. Bei den beiden handelte es sich um eine Mutter mit ihrer 6 Jahre alten Tochter, die nach einem Sitzplatz suchten. Im ganzen Waggon war nichts mehr frei. Ich sagte dann so in Gedanken zu Gott: "Die beiden können sich ja neben mich setzen. Die Kleine nimmt ja nicht allzu viel Platz weg. Da passen wir auch zu dritt auf diese beiden Sitze." Als ob die Mutter das gehört hätte, was ich nicht ausgesprochen habe, kam sie auf mich zu und fragte, ob der Sitzplatz noch frei wäre. Ich rückte einfach ein Stück ans Fenster, damit auch das Kind zwischen uns beiden noch Platz hatte und schon hatte sich die Sache erfüllt. Ich spürte in mir auf einmal einen solchen Frieden und Gott hat durch diese ganze Sache einiges im mir verändert.

Kleinkindern gegenüber war ich nicht immer positiv eingestellt - um es mal politisch zu formulieren. Ich habe immer wieder gesagt: "Bevor ich Vater werde, muss Gott noch einiges in mir drin verändern." Und mir fällt immer wieder auf, wie er in den letzten Wochen da dabei ist. Es gibt und gab verschiedene Situationen, in denen ich anders gehandelt habe, als ich es sonst getan hätte. Gott ist einfach super, sucht unser Bestes und verändert uns zum Besseren hin.

Ich habe vorhin geschrieben, dass ich denke, dass diese Übernachtung und der ganze Trubel umzu von Gott gewollt bzw. genutzt wurde. Wie komme ich da drauf? Nun ganz einfach. Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine 3-köpfige Familie mit einem extrovertierten Kind Donnerstag Abend bzw. Nacht mit einem Zug unterwegs ist und das Kind einen solchen Radau macht. Ebenfalls stufe ich den gleichen Sachverhalt bei der Mutter mit ihrem Kind ein. Ich denke mal, dass diese Veränderung nicht geschehen wäre, wenn ich meinen Zug am Donnerstag nach Dresden noch bekommen hätte.

HERR, du hast mich erforscht und erkannt.

Mit allen meinen Wegen bist du vertraut.

Psalm 139:1.3



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