Traumhochzeitswoche

dadvelopment | 09.09.2012 | Lesedauer: 10 Minuten

Es war bereits eine Woche vor der standesamtlichen Trauung - am Freitag, um 11.10 Uhr. Genau eine Woche noch, dann würden die Liebste und ich uns auf dem Standesamt das Ja-Wort geben. Die Aufregung stieg, ich konnte an kaum mehr was anderes denken.

Diese Aufregung hielt sich über das gesamte Wochenende. Besser wurde das erst am Montag. Da kam mein Bruder samt Begleitung in Bremen an. Die pure Anwesenheit meines Trauzeugen reichte aus, um mich zu beruhigen.

Am Dienstag machten wir dann nach meiner Arbeit noch einen kleinen Ausflug zu einem Bremer Tattoostudio. Mein Bruder liess sich spontan am Tag meines Junggesellenabschiedes noch tättowieren.

Am Mittwoch Abend fand dann mein Junggesellenabschied statt. Mehr, als dass ich normal zu unserem Hauskreis gehen sollte, wusste ich nicht. Ich wurde da schon von einer Großzahl der Jungs begrüßt. Der Abend stand unter der Schirmherrschaft von EpicMealTime. Im Gepäck hatten sie mehrere Kilo Hack und Fladenbrote. Zur Begrüßung durfte ich einen großen Hieb aus der Whiskyflasche nehmen (nach dem ersten Schluck durfte ich feststellen, dass sich doch nur Eistee darin befand. Man kann da ja auf einem Junggesellenabschied nie sicher sein.) Dann wurde ich noch mit den nötigen Utensilien ausgestattet. Ein T-Shirt (bacon strips & bacon strips & bacon strips & bacon strips & bacon strips & got married), eine Kette (Mein letzter Tag als Freiwild) und das dazu passende Geweih. Dummerweise hatte ich mein Smartphone nicht dabei, sodass der Handyplömpel dann auf meiner Stirn landete. Ein Umstand, der Tage später noch für Gelächter sorgte.

Nachdem nun das Hack fertig zubereitet war und ich ein "Hör auf den Bacon zu fressen, du kriegst nachher noch das ganze Fladenbrot!" zu hören bekam, machten wir uns dann zum Grillplatz auf. Auf dem Weg dahin hieß mich ein Schild "Vorsicht Absturzgefahr" willkommen. Ich war froh um diesen Hinweis. (Der gefürchtete Absturz blieb dann doch aus. Puh). Es war ein schöner netter Abend mit viel Gelächter, Magenschmerzen und noch mehr Lachen. Danke Jungs für dieses unvergessliche Erlebnis.

Am Donnerstag kamen dann unsere Mütter nebst Freunden an. Geplant war die elterliche Ankunft in unserer Wohnung gegen 17 Uhr. Da meine Mutter nebst Schwester und Freund allerdings schon gegen fünf Uhr morgens in Dresden losfuhren, warteten sie schon vor unserer Haustür, bevor wir da ankamen. Ganz zum Gegenteil zum Gefolge der Liebsten. Die warteten vor dem Hostel, dass sie einchecken durften. Die Donnerstag Abend war dann ein nettes Zusammensitzen mit den Müttern nebst Freunden. So konnten sich die beiden schonmal beschnuppern und kennen lernen. Außerdem konnten wir so schon die Absprachen für den Freitag und damit die standesamtliche Trauung treffen.

Der Freitag war quasi Generalprobe für Sonntag. Und der Tag, als der Brautführer der Liebsten aus der Schweiz anreisen würde. Wir standen also früh genug auf, um noch ein bisschen Zeit für uns zu haben und noch schnell durch die Wohnung zu huschen. Ich war recht gelassen, frühstückte in Ruhe und legte mich noch zu einem kleinen Schläfchen auf die Couch. Von Aufregung keine Spur. Und dann klingelten die Schweizer. Da stieg der Puls. Kurz nach den Schweizern traf dann auch die Trauzeugin der Liebsten ein, ebenso mein Bruderherz. Gesammelt fuhren wir dann zum Standesamt. Da ging es zu wie im Taubenschlag. Allein auf der Aussichtsplattform konnten wir mindestens sechs Brautpaare zählen. Alle in weiß bzw. Anzug. Wir fielen da ein wenig raus. Ich im schwarzen Hemd und Männerrock, die Liebste im Korsett und Hose. Im Trauzimmer befanden wir uns dann auch nur knapp 10 Minuten, dann waren wir vor dem Gesetz verheiratet. Für uns war diese Trauung angemessen - die kirchliche Trauung am Sonntag war uns dann eh wichtiger. In der Tiefgarage des Standesamtes sagte ich dann zur Liebsten: "Das war ja nur für den Nachnamen und die Steuer." Die Generalprobe hatten wir geschafft. Die Probe der Feier fand dann bei MudderSeemann im Garten statt. Am Abend gingen wir noch in unser Standesamtklamotte aufs Überseefestival. Ein gelungener Abend nach einem schönen Tag.

Samstag luden wir zum Frühstück für alle Angereisten und Gastgeber. Wieder eine Kennenlernmöglichkeit für die Mütter, die nun langsam gegenseitig auftauten. Als dann alle Gäste wieder ausgeflogen waren, fielen wir im Wohnzimmer in einen komatösen Schlaf. Die Tage bisher waren dann doch sehr anstrengend gewesen. Am Abend dann noch eine kleine Krise. Unser Gitarrist sagte ab, weil sein Vater im Krankenhaus lag. Doch dafür würde sich eine andere Lösung finden - in unserer Gemeinde sind genug Musiker.

Und dann war er da. Der Tag, auf den wir schon seit Anfang des Jahres hingefiebert hatten. Unser Hochzeitstag. Wir standen recht früh auf, sollte ich doch gegen 10 Uhr schon zur Burg aufbrechen. Mein Bruder und Begleitung schlugen früh bei uns auf. Die Trauzeugin der Liebsten folgte auch recht bald. Ich war da schon nix weiter als ein nervöses Bündel. Dann hieß es anziehen - mein Gewand. Nach einem kleinen Hinzufügen eines Gürtels brachen wir dann in Richtung Burg auf. Fahrzeit: eine knappe Stunde. Das Wetter: bewölkt und regnerisch.

Wir kamen etwas nach dem von mir angepeilten Zeitpunkt an der Burg an. Eine schwerwiegende Entscheidung stand an. Trauung im Biergarten im Freien oder dann doch drinnen. Da wir die ersten von den Helfern an der Burg waren, wartete ich noch auf die Techniker um die Entscheidung zu treffen. Dann trafen die ersten Helfer ein - die Techniker waren noch nicht darunter. Etwas später kam dann der Prediger und Techniker in Personalunion an. Beim Öffnen des Burgtores klemmte ich mir noch den rechten Ringfinger ein. Ausgerechnet den rechten Ringfinger. Zum Nervösitätsabbau trug dieser Umstand dann nicht wirklich bei. Eine kurze Absprache mit dem Techniker. Seine Äußerung: "Wenn's regnet können wir einfach Tüten drüber legen, dann passt das schon." Also dann doch die Trauung im Biergarten. Ab dann hielt ich immer ein Auge in Richtung Himmel. Die Stühle wurden aufgestellt, die Notfallkörbchen auf die Toiletten gestellt und gewartet. Auf den Fotografen und die Person, die den Altarschmuck aufbauen sollte. Wertvolle Sekunden verrannen, nix tat sich. Ich tigerte wie aufgelöst durch den Biergarten, durch den Innenhof, zum Parkplatz. Dann die Hiobsbotschaft: Die Mikros fehlten. Also machte sich der Prediger nochmal auf nach Bremerhaven um die Mikros zu holen. Die Stühle standen und die Sitzkissen waren platziert, als der Himmel das erste Mal seine Schleusen öffnete. "War es doch die falsche Entscheidung, die Trauung im Biergarten stattfinden zu lassen, war das Risiko zu hoch?" Eine Frage, die mich noch eine zeitlang beschäftigen sollte.

Auf einmal stand dann der Mann von der Trauzeugin im Biergarten, den Brautstrauß von Freitag in der Hand. "Ihr seid schon da?", fragte ich ihn. "F*ck, die sind schon da, wie spät ist das? Hier fehlt noch der Altarschmuck, der Fotograf und der Prediger ist auch grade nochmal losgefahren. Und scheiße, hoffentlich bleibt das trocken. Wenn die Liebste total durchnässt zum Altar kommt, wär das doof. Und wo bleiben die ganzen Gäste?" Meine Nervosität erreichte einen neuen Höhepunkt. Der Aktionismus überfiel mich. Ich rannte ins Restaurant und wollte einen Blick in Richtung Parkplatz werfen, um zu schauen, wo denn die Altaraufbaudame bleibt. Mein Bruder pfiff mich zurück, ich dürfte da aus Gründen nicht mehr hin. Ich schnappte mir die Frau des Predigers, zusammen bauten wir den Altarschmuck auf. Der zweite Techniker kam auf mich zu, fragte nach dem MP3-Player für die Einzugsmusik. Ich reichte ihm einen von dem beiden. Da sollte dann nur ein Lied drauf sein. Das erste Lied, was er abspielte war "Kopfhaut" von den Ärzten. Mein Bruder machte einen Scherz, dass es doch recht lustig sei, wenn die Liebste zu "Du kannst gehen, aber deine Kopfhaut bleibt hier" einzieht. Glücklicherweise hatten wir einen zweiten MP3-Player mit Greensleaves bestückt. Eine halbe Minute später ertönte die Einzugsmusik im Biergarten. Dies war der Moment, wo ich das erste Mal zum Taschentuch griff, um mir die Freudentränen wegzuwischen.

Dann traf der Prediger wieder ein. Inzwischen lagen die Kirchenblättchen und die Gastgeschenke auf den Sitzplätzen. Und es begann wieder zu regnen. Also nochmal Stühle zusammenrücken, damit sie nicht nass werden. Es war Millimeterarbeit. In Absprache mit mir rief der Prediger dazu auf, sich nun einen Platz zum Sitzen zu suchen. Es regnete fröhlich weiter. Immer wieder kamen in der Zwischenzeit Menschen zu mir, um mich zu beruhigen: mein Trauzeuge, die Trauzeugin der Liebsten, der Prediger und wer nicht sonst noch alles. An einer Ecke sah ich schon den Brautführer meiner Braut, während wir am Altar in einer Last-Minute-Entscheidung noch die Trauzeugen neben uns platzierten, damit sie auch im Trockenen sitzen können.

Ich befand mich noch im Wuselmodus, als die Einzugsmusik erklang - und der Regen noch einmal stärker wurde. Als ich dann erahnen konnte, dass die Liebste auf dem Weg zum Altar war, war jegliche Anspannung vergessen. Ich versuchte einen Blick auf meine Braut zu erhaschen, doch stand da der Fotograf im Weg. Als er dann weg war, war ich wie erschlagen von der Schönheit meiner Braut und die Tränen schossen mir in die Augen. Das Atmen fiel mir schwer. (Noch immer kommen mir die Tränen, wenn ich an diesen Moment denken muss.) Wie in Trance nahm ich sie entgegen. Dass sich der Brautführer setzte, bekam ich gar nicht mit.

Die wunderschöne Zeremonie begann, auch wenn sie anfangs noch in Regen getaucht war. Die Predigt war passend zu uns und ich denke dass sich unsere nichtchristlichen Freunde auch nicht gelangweilt haben. Der Herzschlag erhöhte sich noch einmal, als wir uns unsere Eheversprechen vorlasen. Was bin ich froh, dass ich da noch die Worte rausgebracht habe. Wir beide zitterten beim Ringewechsel - aber wohl im gleichen Takt, sodass zumindest ich keine Probleme hatte, meiner Braut den Ring anzustecken. Der Kuss wurde dank unserer Gastgeschenke von Glöckchenläuten begleitet. Und zum letzen Lied waren einige Kinder mit nach vorn gekommen und machten Seifenblasen. So schön, so schön, als wir dann beide zu Greensleaves auszogen. Hinter der Burg umarmten wir uns dann das erste Mal als Ehepaar <3.

Zum Sektempfang begrüßte uns die Sonne. Die Einzelfotos wurden gemacht. Da die von uns eingeplante Hellebarde nicht verfügbar war, kam der Schulterdrache der Liebsten zum Einsatz. Ich bin gespannt darauf, was unsere Gäste mit ihm anstellten. Irgendwann waren wir an der Reihe. Typisch für uns saßen wir in den Traukostümen rittlinks auf der Kanone. Sind sicher schöne Bilder geworden.

Nachdem der Brautstrauß geworfen war, blies der Barde Giacomo zum Rittermahl. Eine sehr schöne und auch lustige Zeit - und genau das, was wir uns vorstellt hatten. Eine wunderschöne Feier für unsere Traumhochzeit.

Zwischendurch nahmen meine Frau und ich uns immer mal wieder Zeit um eine oder zwei Runden um die Burg zu drehen und Zeit für uns zu haben. einfach wunderschön.

Nachdem Giacomo mit seinem Programm geendet hatte, schnitten wir die Hochzeitstorte an. Eine Erdbeertorte als Doppelherz. Nun war so langsam die Zeit gekommen, als uns die ersten Gäste verließen. Mein Bruder, seine Begleitung und wir verließen als letzte die Burg - die restlichen Utensilien und die Geschenke im Kofferraum.

Zuhause angekommen trug ich meine Frau standesgemäß über die Schwelle, dann verabschiedeten wir meinen Bruder und seine Begleitung und wir uns in die Hochzeitsnacht. ;)

Und nun - nun sind wir Mann und Frau. Es war eine Traumhochzeit, von der wir beiden schon jahrelang geträumt hatten. Es war einfach wunderschön. Aber alleine hätten wir das nie auf die Beine stellen können. Also auch an dieser Stelle nochmal ein riesengroßes Dankeschön an alle, die uns geholfen haben. <3



Sichere dir mein Geschenk für dich

Deine Daten werden gemäß unserer Datenschutzerklärung fürsorglich behandelt und nicht an Dritte verkauft.