bodywork

Category index page 1 / 4 for “bodywork”

Wenn ich mich ob meiner Herkunft schäme

2015-06-29 17:52:41 +0000

Ich habe die Nachrichten die letzten Wochen aus gelassen und einiges an Weltgeschehen nur per Twitter und co mit bekommen. Irgendwann letzte Woche tauchte #Freital bei mir in der Timeline auf. Freital, der Ort in dem mein e Großeltern wohnen. Der Ort, in dem ich mein Abi gemacht habe. Der Ort, in dem inzwischen meine Mutter wohnt. Und ich war schockiert, was ich beim Verfolgen des Hashtags lesen musste.

Da demonstrieren Menschen gegen ein Flüchtlingsheim. Täglich werden die Proteste mehr. Und ich bekomme jeden Tag schlechtere Laune.

Ich kann es beim besten Willen nicht verstehen, was in den Leuten vorgeht, die da "Wir wollen euch hängen sehen" skandieren. Auf Facebook habe ich gelesen, dass sich Leute ein Bild vor Ort machen wollten, um nicht alles aus den Nachrichten zu glauben. Sie trafen auf Volleyball spielende Asylbewerber und Asylbefürworter. Eine Satz später schwenkte man auf die vor Angst zitternden Anwohner. Und ich frage mich: Wovor habt ihr Angst? Vorm Volleyball spielen? Was hält euch davon ab, über die Straße zu gehen und euch ein Bild vor Ort zu machen.

Man kann mir nun vorhalten, dass ich mich bisher weder bei meiner Mutter, bei meinem Onkel oder bei meinen Großeltern gemeldet habe. Aber ganz ehrlich? Ich habe Angst, dass sich meine Befürchtungen bestätigen und auch sie zu den Gegnern gehören. Ich habe Angst, von meiner Familie rechte Stammtischparolen zu hören. Ich habe Angst davor, dass bei mir ein Fluchtreflex einsetzt und ich den Kontakt zu meiner Familie abbreche.

Auf Facebook durfte ich bereits einige Kommentare von meiner Schwester lesen. Ich hatte mich über die Demos in Freital und das brennende Flüchtlingsheim in Meißen aufgeregt. "Früher wäre die das am Gesäß vorbeigegangen. Du hast dich schon sehr verändert." Eine Aufforderung zum Wegschauen? Wie so viele damals in den Endzwanzigern? Ich könnte kotzen dabei.

Was mich so dermaßen aufregt ist diese gesellschaftstaugliche rechte Grundstimmung, die in Sachsen herrscht. "Da sollten Flüchtlinge irgendwann einziehen, da waren noch keine drin. Es ist ein Haus abgebrannt, mehr ist nicht passiert." So oder so ähnlich raunt es aus Richtung der PEGIDA. Und aus der CDU. Und von der Freiwilligen Feuerwehr in Meißen.

Ganz entwirrt ist mein Kopf noch nicht, aber mir gehen die Worte aus. Will weinen. So wie heute Nachmittag. Ende der Durchsage.

Medikamentenfrei

2013-10-08 18:58:24 +0000

Bei so vielen Sachen um die Ohren und in den letzten Wochen der Schwangerschaft wäre diese erfreuliche Info ja fast untergegangen.
Ich kann die Medikamente nach anderthalb Jahren endlich absetzen. Wäre es nach mir gegangen, hätte ich sie schon vor einem Jahr abgesetzt. Nur der Doc sah das anders.
Nächste Woche ist es dann soweit. Und dann hat auch das Kapitel Depression und Zusammenbruch endlich seinen Abschluss.
Was bin ich erleichtert und froh.

Ausschleichen

2013-07-30 08:12:23 +0000

Letztes Jahr hatte ich in der schweren Zeit mit den Nervenzusammenbrüchen und der Depression Medikamente bekommen. Da war ich auch sehr froh drüber, konnte ich doch dann besser schlafen.
Noch nehme ich die Medis (war auch für die Zeit als der Blog dicht war ganz gut). Nun hatte ich in letzter Zeit das Gefühl, dass die Medis mich eher behindern als helfen. Schlappheit am Morgen und auch über den Tag. Vorletzte Woche hatte ich wieder einen Termin beim Neurologen. Dem hab ich dann davon erzählt - und wir haben die Medikation runtergeschraubt. Eine Woche später hab ich auch die ersten Ergebnisse sehen können: Die Schlappheit am Morgen war weg und mir gings auch sonst besser.
Jetzt hoff ich drauf, dass das so weiter geht und die Medis noch weiter reduziert werden können. Schließlich will ich diese Phase abschließen.

Kurz vorm Zusammenbruch - Ein Rückblick

2013-02-01 19:36:16 +0000

Mittlerweile sind wir im zweiten Monat des Jahres angekommen. Letztes Jahr um diese Zeit steckten die Liebste und ich in den Umzugsplanungen. Ich arbeite in Braunschweig, lebte quasi im Hotel und hatte grade vor ein paar Wochen mit meiner Therapie angefangen.

Es war eine anstrengende Zeit. Durch das Hotel hatte ich nicht wirklich ein zu hause. Mir fehlte der Wohlfühlort. Eine Bleibe zum Abschalten. Die Möglichkeiten zwecks Arbeit wieder nach Bremen zu kommen, verzögerten sich immer mehr.

Noch ein paar Wochen waren es bis zum Umzug. Die konnte ich mich noch schleppen. Nach dem Umzug wars dann vorbei mit der Energie. Der nächste Zusammenbruch war da.

Es war der Anfang einer fünfmonatigen Krankheitsphase. Pünktlich zur Hochzeit war diese Phase dann auch vorbei. :-).

Jetzt - fast ein Jahr später - denke ich manchmal zurück. Und ich bin froh, dass es mir mittlerweile um so viel besser geht. Ich bin dankbar für das letzte Jahr. Und auch für die Dinge, die ich in der Zeit über mich selber lernen konnte.

Auslaufen

2013-01-15 20:17:53 +0000

Der letzte Besuch beim Neurologen war sehr erfreulich. Ich hatte ja drauf gehofft, dass ich meine Medikation runter schrauben konnte. Nun ja, das darf ich jetzt. Eine von drei Tabletten fällt weg.

Ich kam aus der Praxis raus. Und ich freute mich. Dass ich jetzt reduzieren kann, zeigt mir, dass ich am Ende dieser Phase angekommen bin. Es ist irgendwie, wie wenn man nach dem Joggen eigentlich schon am Ende der Strecke angekommen ist, nun aber noch ein paar Meter ausläuft.

Es fühlt sich gut an. Das Ende ist in Sicht.

Die Reduzierung in Sicht

2013-01-14 20:25:36 +0000

Seit fast 11 Monaten nehme ich nun Medikamente, um mit meinem Zusammenbruch klar zu kommen. Seit August nerve ich den Arzt, ob ich sie nicht endlich absetzen kann. Er riet mir bisher davon ab. Erst sollte die Hochzeit sein, dann der Arbeitsplatzwechsel.

Nun bin ich seit etwas mehr in der neuen Firma und fühle mich wohl. Die Nebenwirkungen machen mir mittlerweile mehr zu schaffen, als dass die Medis helfen. Bis letzte Woche litt ich noch an fiesen Schwindelanfällen, manchmal kann ich schlecht einschlafen.

Nun hoffe ich drauf, dass ich ab morgen die Medis reduzieren kann. Langsam bin ich es satt, jeden Abend diese Chemie zu schlucken.

Morgen wissen wir mehr.

Tief oder Analyse?

2012-11-23 13:06:08 +0000

Ich bin in meiner Therapie nun an einer Stelle angelangt, wo ich mich entscheiden muss, wie es denn nun weiter geht.

Nach dem ersten Zusammenbruch letztes Jahr im November hatte ich eine Therapie angefangen. Zunächst lief sie als Kurzzeittherapie mit einem tiefenpsychologischen Ansatz. Die Stunden für die Kurzzeittherapie sind nun aufgebraucht. Und die Entscheidung steht an: Tiefenpsychologische Therapie oder Psychoanalytische Therapie.

Was bedeutet das eine, was bedeutet das andere?

Tiefenpsychologisch:

  • einmal die Woche
  • Gespräch im Sitzen, ich würde den Therapeuten anschauen können
  • Dauer, ca. 18 Monate


Psychoanalytisch:

  • zwei oder drei Mal die Woche
  • Gespräch von der Couch aus
  • Dauer: ca. 3 oder 4 Jahre


Und nun schwirren Fragen in meinem Kopf herum. Die Entscheidung fällt mir schwer. Will ich öfter zur Therapie als jetzt? Wie "kaputt" bin ich eigentlich? Will ich für jedes Jahr Erinnerung, das mir fehlt, ein Jahr Therapie machen? Brauche ich überhaupt 4 Jahre Therapie? Bringt es mir was, die ganzen Jahre an fehlenden Erinnerungen zu schließen, nur damit ich weiß, warum ich zum emotionalen Eisblock geworden war? Sollte ich mich nicht lieber im Jetzt kennen lernen?

Viele Fragen. Vor ein paar Tagen hatte ich geschrieben, dass ich mich eher um die Gegenwart kümmern möchte. Wieviel von meinen vierzehnjährigen Ich muss ich wissen, um jetzt gut leben zu können? Was würde mich stärker belasten? Das Wissen, Erinnerungen nicht zu haben oder die Erinnerungen an sich. Es wird ja einen guten Grund haben, warum ich so viele Jahre verdrängt habe.

Was bleibt ist die Frage, ob ich eine langjährige Psychoanalyse wirklich nötig habe oder ob es genügt, mich der tiefenpsychologischen Therapie zu stellen. Ich schrecke vor dem zeitlichen und emotionalen Aufwand der Psychoanalyse zurück. Schieße ich durch diese Therapieform mit Kanonen auf Spatzen? Welche Form ist denn nun das richtige Werkzeug für mich und meine Vergangenheit?

Ich habe zwei Möglichkeiten. Die eine schreckt mich aufgrund des Aufwands ab. Bleibt ja nur die andere. Noch muss ich mich nicht entscheiden. Zeit habe ich noch bis nächste Woche Donnerstag. Aber so langsam erkenne ich eine Tendenz.

 

 

 

 

Leben mit der Lüge

2012-11-17 14:09:36 +0000

Dann waren da noch Gedanken und Ansichten, die ich über mich hatte / habe, die inzwischen schon etwas in die Jahre gekommen sind.

In meiner Kindheit und Jugend war ich wenig bis gar nicht selbstbewusst und was Gefühle anging total kalt. Ich fühlte rein gar nichts. Es muss an einem Samstag Nachmittag gewesen sein, ich sah grade Star Trek Next Generation. Data lief auf die Brücke, als ich mich mit ihm verglich. Immer auf Logik gepolt, fern jeglicher Emotion. Es war schockierend. Um mich von dem Gegenteil zu überzeugen, schlug ich mit der Faust gegen die neben mir stehende Wand und fühlte: nix. Kein Schmerz, keine Regung. Nix.

Ich lebte einige Jahre so weiter, vergaß dieses Erlebnis. Und dann zog ich nach Bremen. Ich fand Freunde und eine neue Familie. Meine Gemeinde - die Jesus Freaks Bremen.

Ich erkannte, dass ich eine riesige Mauer um mich herum auf gezogen hatte. Ich ließ nichts an mich rankommen. Aber nun wollte ich fühlen. Ich wollte Gefühle - ich hatte zu lange ohne gelebt. Und sie kamen. Ich konnte wieder weinen, aus vollen Herzen lachen, war traurig und ab und zu auch mal wütend.

Eine Zeit, in der ich mit der Masse an Emotionen auch etwas überfordert war. In mir formte sich der Satz: "Ich lern grade mit den Emotionen umgehen. Das ist alles total neu für mich." Ein Satz, der mittlerweile über sieben Jahre alt ist.

Letztens sprachen die Liebste und ich über dieses Thema. Und ich sprach diesen Satz wieder aus. Er hallte nach. Einige Tage. Bei einem anderen Gespräch fiel dieser Satz wieder. Und es hallte weiter.

Der Groschen fiel anscheinend pfennigweise. So neu sind die Gefühle für mich gar nicht. Ich habs nur eine ganze Zeit lang nicht gemerkt und bin mit der gleichen Einstellung wie vor sieben Jahren an das Emotionsthema herangegangen.

Ich habe jahrelang mit einer Lüge über mich selbst gelebt. Nun habe ich sie enttarnt. Neu sind die Gefühle nicht mehr. Fast ein Viertel meines Lebens empfinde ich nun wieder. Ich brauche nicht mehr mit dieser Lüge leben. Und ich werde nicht mehr mit dieser Lüge leben.

 

Kostenlose Excel-Vorlage um deine Finanzen zu beherrschen

Deine Daten werden gemäß unserer Datenschutzerklärung fürsorglich behandelt und nicht an Dritte verkauft.