Wenn ich mich ob meiner Herkunft schäme

dadvelopment | 29.06.2015 | Lesedauer: 2 Minuten

Ich habe die Nachrichten die letzten Wochen aus gelassen und einiges an Weltgeschehen nur per Twitter und co mit bekommen. Irgendwann letzte Woche tauchte #Freital bei mir in der Timeline auf. Freital, der Ort in dem mein e Großeltern wohnen. Der Ort, in dem ich mein Abi gemacht habe. Der Ort, in dem inzwischen meine Mutter wohnt. Und ich war schockiert, was ich beim Verfolgen des Hashtags lesen musste.

Da demonstrieren Menschen gegen ein Flüchtlingsheim. Täglich werden die Proteste mehr. Und ich bekomme jeden Tag schlechtere Laune.

Ich kann es beim besten Willen nicht verstehen, was in den Leuten vorgeht, die da "Wir wollen euch hängen sehen" skandieren. Auf Facebook habe ich gelesen, dass sich Leute ein Bild vor Ort machen wollten, um nicht alles aus den Nachrichten zu glauben. Sie trafen auf Volleyball spielende Asylbewerber und Asylbefürworter. Eine Satz später schwenkte man auf die vor Angst zitternden Anwohner. Und ich frage mich: Wovor habt ihr Angst? Vorm Volleyball spielen? Was hält euch davon ab, über die Straße zu gehen und euch ein Bild vor Ort zu machen.

Man kann mir nun vorhalten, dass ich mich bisher weder bei meiner Mutter, bei meinem Onkel oder bei meinen Großeltern gemeldet habe. Aber ganz ehrlich? Ich habe Angst, dass sich meine Befürchtungen bestätigen und auch sie zu den Gegnern gehören. Ich habe Angst, von meiner Familie rechte Stammtischparolen zu hören. Ich habe Angst davor, dass bei mir ein Fluchtreflex einsetzt und ich den Kontakt zu meiner Familie abbreche.

Auf Facebook durfte ich bereits einige Kommentare von meiner Schwester lesen. Ich hatte mich über die Demos in Freital und das brennende Flüchtlingsheim in Meißen aufgeregt. "Früher wäre die das am Gesäß vorbeigegangen. Du hast dich schon sehr verändert." Eine Aufforderung zum Wegschauen? Wie so viele damals in den Endzwanzigern? Ich könnte kotzen dabei.

Was mich so dermaßen aufregt ist diese gesellschaftstaugliche rechte Grundstimmung, die in Sachsen herrscht. "Da sollten Flüchtlinge irgendwann einziehen, da waren noch keine drin. Es ist ein Haus abgebrannt, mehr ist nicht passiert." So oder so ähnlich raunt es aus Richtung der PEGIDA. Und aus der CDU. Und von der Freiwilligen Feuerwehr in Meißen.

Ganz entwirrt ist mein Kopf noch nicht, aber mir gehen die Worte aus. Will weinen. So wie heute Nachmittag. Ende der Durchsage.